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Salzwasser und Feuerstein
Siedlungsspuren im Ort Angerstein sind über 1100 Jahre nur archäologisch nachzuweisen, urkundliche gar erst seit (1082?) 1139. - Doch sieht es völlig anders aus, wenn wir unseren Blick auf das Gelände zwischen Grebenberg und Mühlenberg lenken. Oberflächig aufgenommene zahlreiche und vielfältige Bodenfunde haben den Nachweis erbracht, dass hier Menschen gesiedelt haben, etwa seit 150 v. Chr. bis etwa 150 n. Chr. Tausende Gefäßscherben und Eisenschlacken bezeugen ihre Existenz, Münzen, Bronze- und Glasperlenschmuck lassen ihren einstigem Wohlstand erkennen.

Dieser mochte von den nördlich des Mühlenbergs vorkommenden Roteisensteinknollen (Hämatit) herrühren oder aber aus dem Wasser des Sülzebachs. Das Wort ‚Sülze’ ist sprachgeschichtlich mit ‚Salz’ in Verbindung zu sehen. Doch lediglich durch Kalkgehalt zeichnet sich das heutige Quellwasser aus. Wie aber steht es mit der Annahme, das Sülzewasser wäre einst salzhaltig gewesen? Wir kennen die Saline Luisenhall in Göttingen-Grone, und auch Salzderhelden und Sültebeck auf der westlichen Seite des Leinetals. Nun, in Göttingen gibt es den auf einen Flurnamen zurückgehenden Straßennamen ‚Sültebeckbreite’. Sülte, d. h. Salz, und ‚Beeke’, d. h. ‚Bach’.

Da heißt es halt: „Blättern!“ und in die Literatur gucken. Dort kann man fündig werden. Ein Schaubild sei hier zitiert und eine Begrifferklärung dazu:

Schaubild

Die Skizze bildet einen Schnitt durch den Leinetalgraben von Westnordwest nach Ostsüdost ab. Bohrungen haben den Erweis erbracht, dass die beiden oberen Triasschichten Keuper (oberer, mittlerer, unterer) und Muschelkalk (oberer, mittlerer, unterer) auf einer Anhydrit- und Steinsalzschicht liegen. Anhydrit, eine Kalkverbindung (CaSO4; von gr. anudros = wasserlos), wird bei Wasserzumengung zu Gips. (In Eddigehausen ist ein Gipssteinbruch aufgeschlossen; eine der dortigen neun Rauschenwassermühlen war eine Gipsmühle). Steinsalz, das ist NaCl, unser Speisesalz. Suchen wir jetzt den Abschnitt zwischen Leine und Weende und gehen in die Tiefe, so ist dort ein schwarzes schmales spitzwinkliges Dreieck auszumachen (ähnlich wie am westlichen Leinegrabentalrand). Wir lesen in der Legende, dies sei eine Subrosion. Nun bedürfen wir der Erläuterung dieses Begriffs:

Mit Subrosion (lat. sub = unter und rodere = zerkleinern) bezeichnet der Geologe die unterirdische Auslaugung und Verfrachtung von meist leichtlöslichem Gestein (vergleichbar der Erosion, der Abtragungs- und Verlagerungsvorgänge auf der Erdoberfläche. Subrosion kann durch Sickerwasser verursacht werden oder durch unterirdisch verlaufendes Grundwasser.

Besonders anfällig für Subrosion sind salzartige Gesteine, z. B. Steinsalz, die häufig u. a. in Ablagerungen im Mittleren Muschelkalk zu finden sind.

Das in den 1980-er Jahren erbohrte Angersteiner Steinsalzvorkommen in etwa 450 m Tiefe erstreckt sich in östlicher Richtung nur bis zur Weende (Kl. Leine). Doch ist es durchaus berechtigt anzunehmen, dass vor und um die Zeitenwende die Steinsalzschicht bis an die östliche Leinetalgrabenkante unter den Bielsteinen reichte.

Über zwei Jahrtausende unterirdischer Auslaugung (Subrosion) durch das nordwärts Richtung Nordsee fließende Grundwasser hat das Salzvorkommen schrumpfen lassen
.
Doch die einstigen Bewohner hatten aus einer Quelle mit salzhaltigem Wasser schöpfen können. Und gewiss hatten sie daraus ihren Nutzen gezogen, denn das ‚weiße Gold’ war und ist lebensnotwendig. Bronze, graphithaltige Keramik, Münzen gegen Salz. Übrigens, die Flurbezeichnung Auf dem kalten Born’ nördlich des Mühlenbergs zeigt an, dass die menschen damals auch trinkbares Frischwasser zur Verfügung hatten.

Bodenfunde aus der jüngeren Jungsteinzeit und Bronzezeit, vielleicht sogar noch früher, weisen auf die Anwesenheit von Menschen im Sülzetal bereits seit mindestens 5.000 Jahren hin. Einige der insgesamt über 400 steinzeitlichen Oberflächenfunde seien hier gezeigt:

Foto Pfeilspitzen aus Feuerstein
Pfeilspitzen aus Feuerstein
Foto Ovalbeil aus Glimmerschiefer mit Staurolith
Ovalbeil aus Glimmerschiefer mit Staurolith
Fragmente von Felsgesteinäxten aus Amphibolit
Fragmente von Felsgesteinäxten aus Amphibolit

Fragmente von Felsgesteinäxten aus Amphibolit


Fazit:

Angersteins Vergangenheit in der Ur- und Frühgeschichte ist im Tal der Sülze zu finden, dem kleinen, unscheinbaren Fließgewässer, das einst ein Salz mit sich führender Bach war. Noch 1760 werden die Flurnamen ‚Sülzenanger’ und ‚Auf die Sülze schießend’ genannt. (Neuerdings wird auch der Name Flachsgraben verwandt.)

Übrigens:

Ist dem geneigten Leser etwas in der ersten Zeile unterhalb der Überschrift aufgefallen? - Der Autor sieht auch die Erkundung, Archivierung und gegebenenfalls die wissenschaftliche Bearbeitung dessen als wichtig an, was der Boden an Geschichtsträchtigem obertägig freigibt. In der Funktion eines ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegers werden Bodenfunde den zuständigen Stellen angezeigt und u. U. dort publiziert. So wie das oben abgebildete Beil, das z. Zt. im Niedersächsischen Landesamt für Bodendenkmalpflege in Hannover als Illustration zum folgendem Text gezeichnet wird. Zusammen mit allen bedeutsamen Funden aus Niedersachsen der vergangenen beiden Jahre wird auch das etwa 4.000 Jahre alte Beil aus Angerstein einem Buch Ende 2008 in Text und Zeichnung gedruckt vorgestellt werden.

Jungsteinzeit

Angerstein FStNr. 7, Gde. Flecken Nörten - Hardenberg, Ldkr. Northeim, Reg.Bez.BS

2007 wurde auf diesem bekannten Fundplatz (vgl. zuletzt Fundchronik 2004, 74, Kat.Nr. 146), der vor allem Funde der vorrömischen Eisenzeit und römischen Kaiserzeit, aber auch ein Reihe neolithischer und mesolithischer Artefakte geliefert hat, ein ungewöhnliches Felsgesteinbeil aufgelesen. Es handelt sich um ein Ovalbeil von 11 cm Länge und 4,6 cm Breite. Es ist von grau-schwarzer Farbe und weist eine extrem starke Oberflächenverwitterung auf. Nach Bestimmung durch Dr. Mike Reich und Dr. Axel Vollbrecht , Geowissenschaftliches Zentrum der Universität Göttingen, besteht das Beil aus Glimmerschiefer mit Staurolith-Einschlüssen, die sich als besonders widerstandsfähig erwiesen haben und auf welche die jetzige körnige Beschaffenheit der Oberfläche des Beiles zurückzuführen ist.

F, FM, FV: E. R. Christ

TK 4325 Nörten-Hardenberg
DGK Bl. 34 Rauschenwasser
(die R- u. H-Werte sind hier fortgelassen)


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