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'Villa Lambardt' in Angerstein - ein Haus mit Geschichte und Geschichten
" ... unser Haus, es ist ganz nett, nicht wahr? Wir sind hier jetzt mit 3 j. Mädchen und jetzt Mittwoch kommt ein 4 tes hinzu. Ich habe auch einen Brief zu Hause geschrieben. Mama wird Dir den Brief gewiß zeigen. Du musst sie nur daran erinnern ... ", lesen wir auf einer alten Fotoansichtskarte vom 18. Mai 1909. Das ist exakt 100 Jahre her. Der 'Gruß aus Angerstein bei Nörten' zeigt unten links ein einzeln stehendes Wohnhaus mit einigen davorstehenden Personen und eine Ansicht von 'Maria Spring mit Ruine Plesse', die oben breiten Raum einnimmt.

Postkarte

Was denn verbindet das Angersteiner Haus Hannoversche Str. 8 (neben Gärtnerei Müller), um dieses handelt es sich, und Mariaspring miteinander? Und was nur veranlasste auswärtige vier junge Mädchen dazu, unter der rückseitig angegebenen Adresse 'Villa Lambardt, Angerstein' Wohnung zu nehmen, in einem kleinen Dorf mit mal gerade etwas über 500 Einwohnern?

Weiter kommen wir, wenn wir uns um die Identität des eleganten bärtigen Herrn bemühen, der auf beiden Abbildungen zu sehen ist. Es war Herr Wilhelm Lambardt, der Schwager des damaligen Gutsbesitzers und langjährigen Angersteiner Bürgermeisters Franz van Daake. Jener war Verwalter beim Grafen Hardenberg gewesen, bevor er nach Angerstein kam. Dann hatte er Fräulein Friederike Marten geehelicht. Sie hatte mit 18 Jahren das größte bäuerliche Anwesen in Angerstein geerbt (heute Gehöft Hannoversche Str.39). Zuvor war sie bei Verwandten in Hannover städtisch erzogen worden. Wilhelm Lambardt war zuvor Gutsinspektor bzw. -verwalter auf dem Klostergut Marienstein gewesen. Er hatte Auguste von Daake, die Schwester des Ökonomen von Daake gefreit. Zehn Jahre älter war sie. Um nicht zu jung neben ihr zu wirken, hatte sich ihr Gatte einen Bart wachsen lassen.

Der nicht unvermögende Herr Rentier Lambardt hatte das Haus, das auf der Postkarte zu sehen ist, 1905 gebaut. Mit seinem zeitgenössischen schmückenden Dachfirstgebälk und Sandsteinornamenten im Fenstersturz wirkt es so, wie man es seinerzeit eher in der Stadt denn auf dem flachen Lande vermutet hätte: Wie eine Villa, gemessen nach dem Geschmack der vorletzten Jahrtausendwende.

Vieles, eigentlich alles, verdankte dieses sehr spezielle Mädchenpensionat seinem guten Ruf. „Meine Tante war nicht ganz einfach", erinnert sich Frau Giebel, „frei herausgesagt, sie war eine Zicke. Die hochbetagte Nichte von Tante Guste Lambardt lebt in Osterode. „Aber Herr Lambardt war ein guter Mensch. Ja, das war er!" beteuert sie am Telefon auf Anfrage.

Nun, mag er „gut" im Sinne von „gutmütig" gewesen sein, beinahe hätte ein plötzliches Ereignis dieses Urteil entschieden getrübt. Um seinen guten Ruf ging es da, um diesen existentiellen, wesentlichen Ruf seines Hauses! Eines Nachts nämlich wäre der gute Ruf beinahe völlig geschändet, total vernichtet gewesen. Diese schlimmste annehmbare Katastrophe bahnte sich folgendermaßen an:

Zwei befreundete Studenten aus Nörten, Bernhard Ohlms, späterer langjähriger Landarzt in Nörten und Umgebung, und sein Freund Willi von Roden, später Zahnarzt, machten sich zu nächtlicher Stunde auf den Pfad der Liebessehnsucht, auf nach Angerstein. Ohne die Vermittlung von Herrn Lambardt in Anspruch nehmen zu wollen, sondern mit Hilfe einer Leiter wollten sich beide auserwählten jungen Damen möglichst nah annähern. Die Leiter fanden sie sofort, der Dunkelheit zu Trotz: Sie stand aufrecht am Balkon. Zuvorgekommen war ihnen ganz offensichtlich ein werbender Mitbewerber. Kurzerhand nahmen sie die Himmelsleiter und Jakobsleiter herab. Missvergnügt und doch auch irgendwie vergnügt machten sie sich auf den Heimweg.

Der fensterinde Einsteiger war der Nachbarsohn, der Gärtnerjunge Hans Müller. Der hatte den Umweg über den Gesellschaftstanz in Mariaspring augenscheinlich gar nicht erst einschlagen wollen oder müssen. Direktemang über den Staketenzaun zwischen der väterlichen Gärtnerei Müller und dem Lambardtschen Garten hatte er angebandelt. Nun, zu dieser nächtlichen Stunde aber, da sah der verliebte Gärtnerbursche seinen Rückweg abgeschnitten. Doch schaffte er es, so leise wie irgendwie möglich, die Treppenstufen hinabzuschleichen und sich dann, schlank wie er war, durch ein kleines Toilettenfenster im Parterre hindurchzuzwingen, hinaus ins Freie, hinaus in die Freiheit.

Na ja, ganz so leise kann er wohl nicht gewesen sein, denn auftrat Herr Wilhelm Lambardt im Nachthemd, aber ein Gewehr in den Händen. Nicht sind seine gewiss zornigen lauten Worte übermittelt, wohl aber, dass ein gewaltiger Flintenschuss die nächtliche Stille urplötzlich sprengte. Fritz Rusteberg war es, der dies schmunzelnd im Biergarten des 'Lindenkrugs' erzählte. Wir können ihm getrost Glauben schenken: Keinen Flintenschuss, nur drei Häuser weiter, wohnte er auf Hörweite neben der 'Villa Lambardt'.

Der Schuss in den Nachthimmel verursachte einen Knall, der fortan in den Ohren der Jungfern einen überaus mäßigenden Nachhall hatte: Züchtigkeit und Bravheit waren gefestigt. Der Gärtnerjunge hielt sich wohl hernach an Angersteiner Mädel, deren Väter nicht so aufgerüstet waren.

Foto 'Villa Lambardt' in Angerstein heute
'Villa Lambardt' in Angerstein heute
Die beiden damaligen Nörtener Studiker blieben verschwiegen. „Ach was", wehrte auf Anfrage die Tochter des einen ab, „da ist nichts dran." Nun, sie kennt nicht die Angersteiner Erzähltradition, die über ein Menschenalter hinausreicht. Die Lambardts blieben erst recht diskret. Hans Müller blieb inkognito (unerkannt von den Lambardts). Die jungen Damen, besonders die, der Hans Müller hatte nahe treten (oder liegen?) wollen, die erst recht waren verschwiegen.

Weiterhin florierte das kleine, aber feine Mädchenpensionat im kleinen Dorf Angerstein. Weiterhin sandten wohlhabende Eltern auf Empfehlung mit bester Absicht für die Lebensplanung ihre Töchter zum guten Herrn Lambardt und seiner blaublütig geborenen etwas strengen Gattin. Die „Backfische" schrieben auf ihrem Zimmer im Obergeschoss „zu Hause" - pardon - nach Hause auf einer der Ansichtspostkarten, die der Hausherr hatte drucken lassen.

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