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Fund eines Bronzeschmuckstücks: Die Entdeckung der vor- und frühgeschichtlichen Siedlung bei Angerstein
Ein Römerlager wurde bei Hedemünden entdeckt (2002), ein Schlachtfeld des Kampfes von Römern gegen Germanen bei Kalefeld (2008). In unserer Umgebung fanden Ausgrabungen auf bekannten Fundplätzen bei Parensen (1984 und 2009) und am Rauschenwasser (2008) statt. Unsere Region birgt vieles Entdeckungswertes für Altertumswissenschaftler. - Bei Angerstein wurden beim Bau der Harzwasserleitung (1979) vorgeschichtliche Spuren bei der Querung der Sülze (Flachsgraben) südöstlich des Grebenbergs beobachtet (Göttinger Jahrbuch 1980, S. 203 u.206).

Foto Bronzeschmuckstück
Unsere Ackerböden sind ein Archiv, das Jahrtausende Geschichte birgt. Zufall und systematische Prospektion erschließen bei der Feldbegehung die zu Tage tretenden Zeugnisse. Einst kehrte ich, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Bodendenkmalpflege, mit einigen aufgelesenen Feuersteinstücken und einem vom Pflug beschädigten Steinbeil von der jungsteinzeitlichen Fundstelle am Rauschenwasser zurück. Am 28. März 1982 war das, als ich querfeldein heimwärts stapfte. Und da, plötzlich, erblickte ich etwas vor meinen Füßen, was das Herz im Leibe hüpfen ließ. Nicht anders geht’s da dem Sammler als dem Jäger beim Sichten eines stattlichen Stück Wildes. Kein Zweifel, das kleine Objekt war eine patinierte Bronze (korrodierte Kupfer-Zinn-Legierung). Ein Fundmeldungsformular mit den Maßen (z. B. Länge 5, 0 cm Länge, 12,8 g), Beschreibung, Zeichnung und Foto wurde zu Hause ausgefüllt und dann der Fund dem damaligen Göttinger Kreisarchäologen Sven Schütte vorgelegt („gemeldet“) und die Echtheit bestätigt: „Der Fund ist in die Vorrömische Eisenzeit zu stellen“; zu datieren in die letzten Jahrhunderte vor Christi Geburt.

Nun hieß es „blättern“, d. h. Literatur zu sichten und zu lesen, in der eigenen kleinen Fachbuchbibliothek, im Seminar für Ur- und Frühgeschichte und in der Unibibliothek (SUB) in Göttingen. Zeitgleich wurde das Umfeld beiderseits des Sülzebachs begangen (zu schonen war die aufgehende Saat). Schwarzgraue, graubraune oder graurote unscheinbare Scherben von handgetöpferten Gefäßen, teilweise mit Besen- oder Kammstrich und mit Fingertupfenrand, konnten aufgelesen werden, Rotlehmbrocken, kleine Holzkohlenstückchen und Eisenschlackenstücke bezeugten: Im Tal zwischen Grebenberg und Mühlenberg existierte einst eine eisenzeitliche Siedlung in der Flachsbreite, auf der Graswegbreite und den angrenzenden Flächen.

Foto Bronzeschmuckstück
Beim Forschen in der Literatur wird man mit Glück wie mit Ausdauer fündig: Das Fundstück ist ein im Vollguss hergestellter Schmuckanhänger in Ösenringform. Ein über einen Tonkern gegossener wulstiger ringförmiger Teil ist durch ein rundes schmales Halsstück mit einer Ringöse verbunden. Eine vergleichbare Form ist in Manching, einer keltischen Stadtsiedlung (oppidum) gefunden und dort als „fremder Frauenschmuck“ bewertet worden. Zusammen mit einem weiteren Schmuckteil, einem „Klapperblech“, haben sie zu mehreren einen Gürtelschmuck gebildet. Vor allem in den Urnengräbern im westlichen Elbe - Saale - Gebiet treten sie während der germanischen Jastorf - Kultur etwa 150 - 50 v. Chr. auf.

Am 28. Dezember 1982 konnte ein derartiges Bronzeobjekt unweit des ersten Fundorts aufgenommen werden (Länge 5,7 cm, größte Breite 2,3 cm, Stärke o, 2 cm, Gewicht 15,1 g). Diese in Form eines dreieckigen massiv gegossenen bronzenen Klapperblechs hat am oberen Ende eine Öse, sie ist verziert mit gereihten Punzen und seitlichen Kerben.

Bild Rekonstruktion der Gürtelgarnitur
Rekonstruktion der Gürtelgarnitur
Beide Teile einer Schmuckgarnitur wurden in der Werkstatt des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege konserviert und im Landesmuseum Hannover im Rahmen einer Ausstellung über die „Kontaktzone“ zwischen Germanen und der keltisch - römischen Zivilisation in Süddeutschland ausgestellt.

Im Laufe von über zweieinhalb Jahrzehnten Erforschung des Areals wurden über 12.000 Keramikscherben aufgenommen, dazu Eisen- und Bronzeschlacken, Bronzefibeln und Ringglasperlen, eine keltische (50 v. Chr.) und eine römische Münze ( 69 n. Chr.). Nicht allzu viel gibt Rekonstruktion der die Erde jetzt noch her, doch helfen die wenigen noch zu machenden Gürtelgarnitur Funde das Wissen über die über 2000-Jahre-alte Siedlung zu ergänzen.

Sämtliche außerordentlichen Funde wurden sowohl der Northeimer Kreisarchäologin wie dem Göttinger Kreisarchäologen vorgelegt und in der jährlich erscheinenden Niedersächsischen Fundchronik und in Fachzeitschriften veröffentlicht.


Literatur:

  • CHRIST, Eberhard: Bemerkenswerte Oberflächenfunde von einer eisenzeitlichen Siedlungsstelle bei Angerstein, Fleckengemeinde Nörten - Hardenberg, Kreis Northeim
    In: Archäologie in Niedersachsen. Beiträge der ehrenamtlichen archäologischen Denkmalpflege Hrsg. v. d. Arbeitsgemeinschaft Südniedersächsischer Heimatfreunde e. V. Nörten - Hardenberg 1990, S. 26 - 66
  • CHRIST, Eberhard, ZEDELIUS, Volker: Eine Siedlung der vorrömischen Eisenzeit / frühen Kaiserzeit mit Regenbogenschüsselchen bei Angerstein, Flecken Nörten - Hardenberg, Ldkr. Northeim
    In: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte, Bd. 61 Hrsg. von der Archäologischen Kommission f. Nds. Stuttgart 1992, S. 205 - 208
  • CHRIST, Eberhard: Ein Denar des römischen Kaisers Otho. Ein Siedlungsfund bei Angerstein, Fleckengemeinde Nörten - Hardenberg
    In: GÖTTINGER JAHRBUCH, Bd. 47 Hrsg. v. Geschichtsverein Göttingen u. Umgebung e. V. Göttingen 1999, S. 5 - 15
  • CHRIST, Eberhard: Der Fund eines Drehmühlensteins bei Angerstein
    In: Südniedersachsen. Zeitschrift für Regionale Forschung u. Heimatpflege, 31. Jg., 3 / Sept. 2003 Duderstadt 2003, S. 72 - 74
  • CHRIST, Eberhard: Fund des Unterliegers einer frühgeschichtlichen Drehmühle bei Angerstein, Fleckengemeinde Nörten - Hardenberg
    In: Northeimer Jahrbuch 2003, 68.Jg., Zeitschrift für Heimatforschung, Denkmalpflege und Naturschutz Northeim 2003, S. 30 - 39

  • CHRIST, Eberhard: Funde von Glasringperlen der Römischen Kaiserzeit bei Angerstein
    In: Südniedersachsen. Zeitschrift für Regionale Forschung u. Heimatpflege, 32.Jg., 3 / Sept. 2004 Duderstadt 2004, S. 66 - 71

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